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Wie Rheinsberg eine gute Bahnanbindung bekommt

Ende August erschien die Endfassung des neuen Landesnahverkehrsplans für Brandenburg. Der Plan stellt grundsätzlich eine gute Ausgangsbasis für eine deutliche Ausweitung des schienengebundenen öffentlichen Nahverkehrs dar und hebt sich somit von seinen Vorgängern ab. So werden dort viele wichtige Weichenstellungen beschrieben, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Allerdings legt sich die Euphorie, je weiter man sich aus Berlin und dem Speckgürtel entfernt. Viele ländliche Verbindungen sind durch den Plan zwar mittelfristig gesichert, eine echte Perspektive, wie über das Jahr 2022 hinaus der Bahnverkehr in der Peripherie gesichert werden kann, fehlt jedoch.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch für die Bahnlinie zwischen Rheinsberg und Löwenberg keine Verbesserungen vorgesehen sind, obwohl doch die aktuelle Lage sehr gut verdeutlicht, dass hier noch hoher Optimierungsbedarf besteht. Denn weder nutzen ausreichend viele Touristen – gerade an Werktagen die Züge – noch ist die Bahn für die Rheinsberger Bürger eine echte Alternative zum eigenen Pkw. Hier muss ein neues Konzept her!

Doppelstöckiger Regionalzug.

Doppelstöckiger Regionalzug.

Ein ganzjähriger Betrieb ist der falsche erste Schritt

Am 23. November teilte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg mit, dass es ab dem Fahrplanwechsel im Dezember eine Probephase für den Winterbetrieb der Linie RB54 geben wird. Bereits im Frühjahr wurde dieser Schritt angekündigt, die Probephase jedoch von ursprünglich geplanten drei auf ein Jahr gekürzt.

Der Fahrplan entspricht weitestgehend dem gewohnten Sommerfahrplan, nur dass die letzten beiden Abendfahrten von Berlin nach Rheinsberg und zurück gestrichen wurden. Eine Unterscheidung nach Wochenende oder Werktag erfolgt nicht. Bei diesen Rahmenbedingungen kann der Probebetrieb schon jetzt als gescheitert angesehen werden, denn selbst im Sommer erreicht die Bahn nicht immer die geforderten Fahrgastzahlen von 300 pro Tag. So wird es im nächsten Jahr ein Leichtes für die Landespolitik sein, den Winterbetrieb nach Rheinsberg als unrentabel abzutun und die letzte Hoffnung darauf für immer und ewig zu beerdigen.

Die Probephase für den ganzjährigen Betrieb ist mit dem aktuellen Betriebskonzept nicht sinnvoll und läuft auf ein ernüchterndes, aber erwartbares Fazit hinaus. Hier wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht und dabei die eigentlichen Probleme außer Acht gelassen.

Warum die Bahn für Rheinsberg wichtig ist

Überall in Brandenburg, aber auch ganz Deutschland, feiert der Schienenpersonenverkehr seine Renaissance. Wo vor nicht allzu langer Zeit ganze Bahnlinien gestrichen und Verkehre immer mehr ausgedünnt wurden, wird heute über Investitionen in die Infrastruktur und innovative Mobilitätskonzepte mit der Bahn als Grundpfeiler diskutiert. Die Bahn ist dabei vor allem Teil des Lebensstandards einer Region sowie wichtiges Steuerungselement für Pendlerströme und wird nicht selten bei der Wahl des Wohnortes von jungen Familien als Auswahlkriterium herangezogen.

Leider profitieren davon nach wie vor hauptsächlich die stark frequentierten Hauptachsen, die auf Berlin ausgerichtet sind. Tangentiale Verbindungen und ländliche Bahnlinien werden oft unter dem Vorwand der Unrentabilität vernachlässigt. Dabei wäre gerade hier der Wille der Landespolitik, auch dünn besiedelte Regionen stärker zu fördern, statt immer mehr abzuhängen, von großer Bedeutung. Der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) ist ohnehin selten wirtschaftlich.

Für Rheinsberg ist die Bahnanbindung natürlich vor allem für den Tourismus wichtig. Alternativen wie die Buslinien nach Gransee oder Neuruppin fallen schon wegen der fehlenden Möglichkeit der Fahrradmitnahme weg. Auch unabhängig von objektiven Betrachtungen ist die Bahn ein wesentlich beliebteres Reisemittel als der Bus. Das können zahlreiche Beispiele belegen, bei denen die Bahn durch einen Bus ersetzt wurde und die Fahrgastzahlen anschließend komplett zusammengebrochen sind.

Pendlerverkehre und die Mobilitätsinteressen der Einheimischen spielten bei der Konzeption des Fahrplans bisher eine viel zu untergeordnete Rolle. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Potentiale bei dieser Zielgruppe bisher noch nicht ausgeschöpft werden konnten. Hier muss dringend nachgebessert werden! Denn insbesondere höherqualifizierte Fachkräfte werden auch in absehbarer Zeit eher in Berlin und dem Speckgürtel Arbeit finden, als im ländlichen Ostprignitz-Ruppin. Gerade für diese Personengruppe wäre eine gute Bahnanbindung ein starkes Argument, um Rheinsberg oder Lindow als ihre neue Heimat zu wählen.

Auch zur Bekämpfung des Fachkräftemangels vor Ort wäre eine bessere Bahnanbindung ein wichtiger Beitrag. Angestellte aus dem Gastronomiebereich könnten ihren weg aus Richtung Berlin zu uns finden, der niedergelassene Hausarzt oder der Grundschullehrer könnte eine Abendveranstaltung in Berlin besuchen und würde danach bequem mit der Bahn wieder nach Hause kommen. Nicht zuletzt müssen auch Freizeitverkehre, beispielsweise zum Einkaufen nach Berlin oder zum Weihnachtsmarkt sowie die Studenten und Auszubildenden, die am Wochenende oder in den Ferien ihre Familien in der Heimat besuchen, stärker berücksichtigt werden.

pixabay CC0

Regionalzug auf elektrifizierter Strecke.

Was der Verbindung wirklich fehlt

Wenn der erste Zug nach Berlin den Bahnhof Rheinsberg um halb zehn vormittags verlässt, dann ist klar, dass die Bahn für Pendler unbrauchbar ist. Der letzte Zug um kurz vor acht abends zurück aus Berlin ist am Wochenende ebenfalls nicht ausreichend. Das eigentliche Problem ist aber das unregelmäßige Fahrtenangebot mit einer Lücke zur Mittagszeit sowie die über den Tag unterschiedlichen Abfahrt- und Ankunftszeiten. Daneben ist auch die Umsteigesituation unattraktiv. Teilweise muss man schon zwei Mal umsteigen, allein um nach Berlin zu kommen. Das kostet Zeit und ist bei Verspätungen ein großer Unsicherheitsfaktor im Sinne einer funktionierenden Reisekette. Immerhin muss man im schlimmsten Fall zwei Stunden bei Wind und Wetter auf dem Bahnhof in Löwenberg verbringen.

Auch grundsätzlich ist Löwenberg als Umsteigebahnhof eher ungeeignet. Serviceeinrichtungen oder einen Imbiss sucht man hier vergebens. Eine Weiterführung der Linie mindestens bis Oranienburg wäre unter diesem Gesichtspunkt sinnvoll, zumal hier Anschluss zur S-Bahn besteht. Natürlich steht auch der eingangs beschriebene ganzjährige Betrieb auf der Liste der Notwendigkeiten, nur später in der zeitlichen Umsetzung. Der ganzjährige Betrieb ist auch aus einem anderen Grund wichtig: Häufig wird vergessen, dass eine Bahnlinie die nur im Sommer fährt, für den Infrastrukturbetreiber unwirtschaftlich ist. Denn er muss die Strecke trotzdem das ganze Jahr über in Betrieb halten. Bliebe es langfristig bei einem saisonalen Betrieb, wäre zu befürchten, dass die Trassenpreise steigen oder aber die Infrastruktur nicht modernisiert wird und sich weiter verschlechtert.

So sollte ein optimiertes Betriebskonzept aussehen

Um die Bahn nach Rheinsberg langfristig zu sichern, gibt es gleich mehrere „Baustellen“, an denen kurz- bis mittelfristig gearbeitet werden muss:

Neben diesen vielen Ideen zum Betriebskonzept sind auch noch weitere Maßnahmen möglich, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Klar ist jedoch, dass es viele Möglichkeiten gibt, das Zugfahren von und nach Rheinsberg und Lindow attraktiver zu machen. Hier muss schnell gehandelt werden und ein detailliertes Konzept erarbeitet werden. Ansonsten wird nicht nur der einjährige Probebetrieb, sondern auch die Bahn nach Rheinsberg insgesamt keine Erfolgsgeschichte mehr werden und langfristig womöglich die Einstellung des Zugverkehrs erfolgen.

Veranschaulichung des vorgeschlagenen Betriebskonzepts

Tom-Morten-Theiß FDP OPR

Tom-Morten-Theiß ist verkehrspolitischer Sprecher der FDP OPR.

Zum Autor: Tom-Morten Theiß ist in einem Ortsteil von Rheinsberg aufgewachsen und war schon in der Jugend mit den Nachteilen eines schlechten Öffentlichen Nahverkehrs konfrontiert. Er hat Verkehrswesen an der Technischen Universität Berlin studiert und nebenbei beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg gearbeitet. Außerdem ist er im Fahrgastbeirat des VBB aktiv und setzt sich dort mit den Problemen der Mobilität in ländlichen Regionen auseinander. Als Student pendelt er zudem regelmäßig an den Wochenenden in die Heimat und ist dadurch bestens vertraut mit der Bahnanbindung nach Rheinsberg sowie den bestehenden Problemen.


6. Dezember 2018

Tom-Morten Theiß erklärt, warum Rheinsberg eine gute Bahnanbindung braucht, wie diese aussehen könnte und warum der geplannte Winterbetrieb auf Probe der falsche erste Schritt ist.

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